
Die Europäische Union ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Europa geworden. Nachdem sich vor allem die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts aufgrund der zwei, sich auf dem europäischen Festland abspielenden Weltkriegen in die Geschichtsschreibung verewigt hat, ist es in der heutigen Zeit umso wichtiger den Wert der europäischen Staatengemeinschaft richtig einzuordnen. Was war geblieben nach fünfundvierzig, dem Jahr der deutschen Kapitulation? Ein in sich zerrüttetes Europa, das zusätzlich zum Spielball der beiden Supermächte USA und UdSSR wurde. Tief gespalten in einen unter kapitalistischem Einfluss stehenden westlichen und einem kommunistischen östlichen Teil, schien eine friedvolle Zukunft eines geeinten und starken Europas in weite Ferne gerückt. Trotz allem gelang es visionären Politikern wie Jean Monnet, Robert Schuman und nicht zuletzt Charles de Gaulle und Konrad Adenauer die Anfänge für ein gemeinsames Europa zu ebnen. Diesen und anderen fähigen Männern war klar, dass ein dauerhafter Frieden nur durch eine wirtschaftliche und politische Einigung der europäischen Staaten ermöglicht werden konnte.
Der erste Schritt für eine solche Entwicklung war die im Jahre 1951 vollzogene Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) durch Belgien, Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Italien und die Niederlande. Aufgrund sich bald einstellender Erfolge wurde die zuerst wirtschaftliche Zusammenarbeit erweitert und durch die Unterzeichnung des Vertrages von Rom entstanden im Jahre 1957 die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Es folgten weitere für die Geschichte Europas bahnbrechende Neuerungen die nun kurz in aufgelisteter Form erläutert werden.
- 1967: Vereinigung der drei Institutionen (EGKS, EURATOM und EWG) zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
Entstehung einer gemeinsamen Kommission, eines Ministerrates und eines Europäischen Parlaments
- 1968: Schaffung einer gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und Verwirklichung der Zollunion
- 1979: Einführung der Direktwahl für die Mitglieder der Europäischen Kommission
Einführung des Europäischen Währungssystems, zur Schaffung von Stabilität zwischen den Währungen der Mitglieder
- bis 1990: Ausdehnung der EU-Beihilfen für weniger entwickelte Länder Fortschritte bei der Verminderung von Handelsbarrieren und bei der Errichtung eines Binnenmarktes
- 1992: Unterzeichnung des Maastrichter Vertrags über die Europäische
Union (EU), der am 1. November 1993 in Kraft tritt
Beschluss über die Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
- 1993: Vollendung des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes
- 2002: Einführung der gemeinsamen Währung Euro
Anhand dieser stichwortartigen Zusammenfassung kann ein oberflächlicher Gesamtüberblick der Geschichte der EU aufgezeigt werden. Bis zum Jahre 2004 hat sich die EU aber nicht nur durch das Inkrafttreten verschiedener Neuerungen verändert. Auch die Mitgliederzahl ist gestiegen. Zu den ersten Mitgliedsstaaten kamen bis zum heutigen Tag Dänemark, Irland und Großbritannien (1973), Griechenland (1981), Spanien und Portugal (1986), Österreich, Finnland und Schweden (1995), (Süd-)Zypern, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei und Slowenien (2004) hinzu. Auch Bulgarien und Rumänien sind inzwischen der Europäischen Union beitreten. Lediglich der Zeitpunkt des Beitritts der beiden Beitrittskandidaten Türkei und Kroatien ist noch nicht entschieden. Auch stehen weitere Entscheidungen anderer Staaten an die in Zukunft vielleicht auch ein Teil der europäischen Völkerfamilie werden können.
Josef Sturm

